
Giacomo Meyerbeer
Kleine Werke a cappella
Dauer: 3'
Solisten:
medium voice
Giacomo Meyerbeers vergessene Schätze
Eine Edition von Musikern für Musiker
Leitung: Andrea Chudak
Eine langjährige Bekannte von Giacomo Meyerbeer war Charlotte Birch-Pfeiffer (1800-1868); erhalten ist ein recht amüsanter Briefwechsel des Komponisten und der munteren Schauspielerin und Autorin. Daraus geht unter anderem hervor, dass Birch-Pfeiffer am 29. Dezember 1860 eine private Lesung aus ihrem neuen Theaterstück „Der Goldbauer“ – ein ländliches Drama abhielt, bei der Meyerbeer anwesend war. Vermutlich bat die Autorin den Komponisten bei dieser Gelegenheit, für ihr Stück zwei Lieder zu komponieren. Meyerbeer machte sich ab dem dritten Januar an die Arbeit, Ergebnis waren die beiden A-capella-Lieder „Juchhe, Juchei“ für die Rolle des Falkentoni und „Mein Bue, du hast Augn“ für die der Vroni. Das Theaterstück wurde am 31. Januar 1861 in den Königlichen Schauspielen Berlin uraufgeführt. Aufgrund der Begegnung mit dem Schauspieler Emil Herrmann Karlowa, mit dem Meyerbeer den Sologesang einstudierte, entstanden zwei weitere Versionen von „Juchhe, Juchei“: Zum einen eine Ausgabe mit Klavierbegleitung, konzipiert für den musikalischen Salon – dieses Werk gilt aktuell noch als verschollen. Eine weitere Version entstand für Männerchor, mit identischem Text. Das Chorstück wird ebenfalls noch in dieser Edition erscheinen. Die beiden hier wiederveröffentlichten A-capella-Lieder sind im Nachlass Charlotte Birch-Pfeiffers im Deutschen Theatermuseum München aufgefunden worden.
Im Jahr 1853 entstand der kleine 12-taktige Kanon „Dominus Vobiscum“ nach einem Text des Schriftstellers und Journalisten Jules Janin, der zu Meyerbeers Netzwerk gehörte. Vier von dessen Versen schrieb der Librettist Eugene Scribe am dritten Februar 1853 in Meyerbeers Taschenkalender. Einen Tag danach notierte Meyerbeer in sein Tagebuch: „Diese (Verse) setzte ich 2stimmig in freier Imitation in Musik und schrieb sie gleich in das Album von Offenbach.“
Die drei vorliegenden Stücke sind in Weltersteinspielung durch Andrea Chudak (Sopran) und Tobias Hagge (Bass) auf den Doppel-CDs „Meyerbeer: Romanzen, Lieder, Balladen“ und „Meyerbeer: vocal“ enthalten.
Diese Werke galten als „verschollen“.