

Oriol Cruixent
Manifest
Kurz-Instrumentierung: 2 2 2 2 - 4 2 3 0, timp, perc(3), str
Dauer: 22'
Chor: gemischter Chor
Solisten:
soprano
tenor
Instrumentierungsdetails:
1.Flöte
2.Flöte (+Picc)
Oboe
Englischhorn
1.Klarinette in A
2.Klarinette in A
1.Fagott
2.Fagott
1.Horn in F
2.Horn in F
3.Horn in F
4.Horn in F
1.Trompete in C
2.Trompete in C
Bassposaune
1.Posaune
2.Posaune
Pauken
Schlagzeug (3 Spieler)
Violine I (14 Spieler)
Violine II (12 Spieler)
Viola (10 Spieler)
Violoncello (8 Spieler)
Kontrabass (6 Spieler)
Manifest
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Werkeinführung
Das einsätzige, mehrfach gegliederte Werk “Manifest” für Sopran, Tenor, Chor und Orchester wurde Dezember zum Jahr 2017 für das Münchner Rundfunkorchester und den Chor des Bayerischen Rundfunks im Auftrag des Bayerischen Rundfunks komponiert. Die Komposition wurde im Dezember 2016 fertig, im Juni 2017 in München uraufgeführt. Es stellt eine musikalische, persönliche Reflexion des Komponisten Oriol Cruixent zur 500-Jahr-Feier der Reformation dar.
Dramaturgisch betrachtet, fungieren in “Manifest” historisch relevante Ereignisse und Texte der Reformation als musikalischer roter Faden, in chronologischer Anordnung, um später mit essenziellen philosophischen Konzepten des Evangeliums abzuschliessen. Zu erleben in “Manifest” sind beispielsweise Auszüge aus dem lutherschen Text “An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung” von 1517, aus den 95 Thesen von 1517 und aus der “Verteidigungsrede auf dem Reichstag zu Worms” von 1521. Verwendet wird auch die kontroverse dritte Strophe des Martin Luther Chorals “Ein feste Burg ist unser Gott” von 1521 (“der Fürst dieser Welt, so saur er sich stellt, tut er uns doch nichts”), sowie spätere Aussagen von 1525 und 1533 einschliesslich der strittigen Stellung Luthers dem Bauernkrieg und der Hinrichtung Thomas Müntzers durch die “Fürsten” gegenüber. (“Es ist besser, dass alle Bauern erschlagen werden als die Fürsten und Obrigkeiten”).
Kompositorisch betrachtet baut sich “Manifest” auf melodischem Material des lutherschen Chorals “Ein feste Burg ist unser Gott” von 1521 auf, das in verschiedenen Beleuchtungen und Variationen erscheint, einschließlich zweier vierstimmiger Abschnitte (Buchstabe E bis F und Buchstabe H bis M), beide komponiert im kontrapunktischen Stil der Vokalmusik der Renaissance. Erwähnenswert ist die an diesen beiden Stellen entwickelte Technik der Modulation, die sich an die induktive Reaktion magnetischer Felder anlehnt: alle vom Tenor-Solo gesungene Tonhöhen, sobald sie sich von der diatonischen Konstellation entfernen, “beeinflussen” (und verändern somit) das derzeitige, momentane harmonische Geschehen in Chor und Orchester schlagartig. Dieses Modulationsverfahren wurde von Oriol Cruixent entwickelt, um die kraftvolle, einflussreiche, durchsetzungsfähige, ja extrem “polarisierende” Kraft Luthers musikalisch zu unterstreichen.
Mit “Manifest” wagt Oriol Cruixent einen kritisch-konstruktiven Blick auf die Zeit der Reformation durch eine tiefgründige Auseinandersetzung mit Publikationen, Briefen und Aussagen Martin Luthers, ihren revolutionären Zügen wie ihren Paradoxen und Widersprüchen, um durch die philosophische Essenz der Botschaft des Evangeliums fassbare Schlüssel für unsere, nach 500 Jahren immer noch kulturell und gesellschaftlich komplexe Zeit wahrnehmbar zu machen.
Was braucht man, um dieses Werk aufzuführen?
INSTRUMENTATION
2 Flutes (Flute 2 also Piccolo)
1 Oboe
1 Englisch Horn
2 Clarinets in A
2 Bassoons
4 Horns in F
2 Trumpets in C
2 Trombones
1 Bass Trombone
Percussion (3 Players)
Player 1:
3 Anvils (pitches: high, middle, low),
1 Wind-Gong, middle-big
Player 2: 1 Gran Cassa
Player 3: 1 Vibraphone
Timpani
Strings (min. 8-6-4-4-3, max. 14-12-10-8-6)
SINGERS
Soprano (Consciousness): Coloratura Soprano. Sings from the balcony (e.g. Organ).
She should not be seen until her appearance, at Mark S)
Tenor (Martin Luther): Dramatic Tenor. Towards the end of his intervention he leaves the stage slowly, while still singing.
Choir: SATB (min. 24 chorists). The Choir starts singing in off, and enters the stage while singing, at the beginning of the piece