

Oriol Cruixent
Pregàries
Kurz-Instrumentierung: 0 0 0 0 - 0 0 0 0, str
Dauer: 14'
Instrumentierungsdetails:
Violine I (16 Spieler)
Violine II (14 Spieler)
Viola (12 Spieler)
Violoncello (10 Spieler)
Kontrabass (8 Spieler)
Pregàries
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Werkeinführung
>>Mich hat es immer fasziniert, Menschen beim Beten zu erleben. Der Klang und die Stimmung, die entstehen, wenn eine Gemeinde gemeinsam und bewusst betet, sind einmalig. Die Kraft, die dadurch freigesetzt wird, ist meinem Gefühl nach unerreicht<<, gesteht der katalanische Komponist Oriol Cruixent, der sein Werk Pregàries (Katalanisch für Gebete) im November 2009 für das Deutsche Kammerorchester Berlin komponierte, mit dem im März 2010 auch die Uraufführung unter der Leitung von Markus Poschner in der Philharmonie Berlin stattfand.
Oriol Cruixent bezeichnet dieses Werk als sein autobiografischtes: >>Mein Ziel war es, möglichst ehrlich, persönlich und unvoreingenommen meine Psyche zum klingen zu bringen.<<
Pregàries ist als Dyptichon, als zweiteiliges Werk, angelegt. Der erste Teil funktioniert monodisch, also einstimmig, sehr organisch, und soll quasi improvisiert wirken. Lange, fast gregorianische Linien zeichnen diesen Teil aus. Das Stück entfaltet sich aus einem thematischen Kern-Motiv, unisono gespielt von Violoncelli und Kontrabässen. Dieses Art Murmeln erinnert an das repetitive Element des Betens. >>In der Intonation ist dieses Unisono stellenweise, durch Vierteltonabweichungen der Tonhöhe gewollt ungenau, verstimmt. Durch diese Imperfektion (nicht im negativen Sinn gemeint!) zeigt dieser Unisono-Abschnitt den menschlichen, rohen, natürlichen und emotionalen Kern eines Gebets. Auch die Pausen sind hier möglichst natürlich gesetzt und sind nichts anderes als der unruhiger werdende Atem zwischen Gedanken.<<
Aus diesem Strom der inneren, monodischen Stimme entwickelt sich ein polyphones Gewirr. Die hohen Streicher kommen dazu - und schon bald meint man, tausende Stimmen gleichzeitig zu vernehmen. >>Im Grunde geschieht das Ganze in der Psyche: Die Ratio taucht in Gedanken ein und sucht nach Lösungen, Richtungen, Erinnerungen und Auswegen. Die inneren Stimmen vervielfältigen sich kontinuierlich und erobern langsam neuere “Höhen”. Dies ist der Klang der Psyche, wenn sie emotional unter Druck gesetzt wird.<< Diese unaufhörlichen Parallelgedanken intensiviern und steigern sich immer weiter, bis schließlich die Katharsis folgt: Sieben Mal wird durch glockenartig klingende Akkorde im Fortissimo die Erlösung angekündigt, >>sieben Schlüssel öffnen hier die Türen der Psyche, und diese wird schlagartig von dem unerträglichen Druck entlastet, befreit.<<
Der nun folgende zweite Abschnitt des Dyptichons ist mit Eterno (Ewig) überschrieben. Drei Stimmen sind zu hören, dreifach geteilte erste Violinen, zunächst jedoch keine Celli und Kontrabässe, wodurch eine Art schwebende, unabgeschlossene Atmosphäre entsteht. Wie entrückt erscheint an dieser Stelle die Musik, die schließlich wie im Nichts verklingt: >>Hier wird eine neue Ebene erreicht. Die Psyche entspannt sich. Innerer Frieden kehrt ein. Genau das ist es, was ich unter ewigem Leben verstehe: “ewig” nicht als etwas Dauerhaftes, sondern als etwas Zeitloses.<< Die suchende Seele findet am Ende Frieden und Erlösung. Dank der Kraft des Gebets.
Was braucht man, um dieses Werk aufzuführen?
INSTRUMENTATION
String Orchestra
Violin I (min. 6, max. 16 players)
Violin II (min. 5, max. 14 players)
Viola (min. 4, max. 12 players)
Violoncello (min. 4, max. 10 players)
Contrabass (min. 2, max. 8 players)