

Vykintas Baltakas
Redditio
Kurz-Instrumentierung: 1 0 1 0 - 1 1 1 0 - Schl, Vl(2), Va, Vc
Dauer: 10'
Instrumentierungsdetails:
Flöte
Klarinette in B
Horn in F
Trompete in B
Altposaune (+Tenorposaune)
Schlagzeug
Violine I
Violine II
Viola
Violoncello
Baltakas - Redditio für Ensemble
Übersetzung, Abdrucke und mehr

Vykintas Baltakas
Baltakas: Redditio für EnsembleInstrumentierung: für Ensemble
Ausgabeart: Studienpartitur (Sonderanfertigung)
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Hörbeispiel
Werkeinführung
Vykintas Baltakas verkörpert eine musikalische Scheherazade. Seine Musik bannt den Zuhörer und verweist auf sich selbst, zweigt hie und da ab und erfindet sich selbst neu, kehrt manchmal zu ihren eigenen Wurzeln zurück. Baltakas webt musikalische Geschichten welche er mit einem feinfühligen, ineinandergreifenden Netz verknüpft.
Er selbst sieht das Verhältnis zwischen Komposition und Ausführung als wechselseitig, meint, dass man sowohl als Komponist als auch als Dirigent die Möglichkeit hat „die Musik zu beeinflussen, man kann ihr Ideen vorschlagen, ihr eine Richtung zuweisen und Entscheidungen treffen. Man treibt die Musik voran, wird zugleich von der Musik vorangetrieben – was man wiederum verarbeitet und durch die Musik zurück auf sich selbst reflektiert.
Diese Reziprozität zieht sich als roter Faden durch sein Werk. 2004 begann Baltakas die angesprochene genealogische Entfaltung mit einem Werkzyklus, dessen Grundstein Ouroboros für Ensemble bildet. Aus einem akustischen Objekt des Stückes – der Fermate in Takt 313 – entspross das nächste Werk: (co)ro(na), ein lebhaftes Scherzo für kleines Ensemble. Der Titel ist etwas irreführend, da man Gefahr läuft, eine Fermate (oder corona) fälschlicherweise auf „nichts weiter als eine Pause“ zu reduzieren, doch eine Fermate strotzt auf mehreren Ebenen vor Energie, es ist als würde man einen Kolibri aus der Ferne betrachten – es scheint, als schwebe er bewegungslos in der Luft, doch sind die Energie und die Bewegungskraft die sich hinter der kühlen Oberfläche verbergen gewaltig. Ebendies trifft auch auf (co)ro(na) zu, dessen energetisches Zittern die Musik auf elegante Weise frei schweben lässt. Diese Fremdbestäubung währt nicht nur zwischen den Stücken, sondern wirkt sich auch auf die Komposition neuer Werke aus, Neuinterpretationen werden geschaffen um sukzessive Abschnitte eines Stückes zu erschließen.
Das lateinische Wort Redditio wird laut Lexika folgendermaßen definiert: die Aufführung einer musikalischen Komposition oder Wiedergabe einer künstlerischen Darstellung. Der Akt etwas zu interpretieren, wie es in einer künstlerischen Aufführung geschieht.
Der Ausgangspunkt bzw. formelle Ursprung für Redditio war Ri für Sopran und Elektronik. Mit Redditio wurde dieses Stück frei überdacht, neuinterpretiert und kommentiert. Farbe, Harmonie, Fläche, Dichte... all diese musikalischen Faktoren wurden erweitert bis sich etwas Neues entwickelte, das sich zugleich vom Ursprung abspaltete, wodurch sich neue Gedanken und Ausdrucksformen erschlossen.
Veronika Krausas / Vykintas Baltakas