
Luciano Berio
Sequenza XIV
Dauer: 13'
Widmung: scritta per Rohan de Saram
Instrumentierungsdetails:
Violoncello
Alle Aspekte des Stücks leben ein Doppelleben. Natürlich werden die Saiten verwendet, mit dem Bogen und auf verschiedene, auch noch nie dagewesene Weisen des direkten Kontakts mit den Händen; doch auch der Resonanzkörper des Cellos wird eingesetzt, gleich einem Perkussionsinstrument. Traditionelle Rhythmusmodule aus Sri Lanka (dem Herkunftsland von Rohan de Saram*), in variablen und differenzierten Zeitproportionen entworfen, werden einander gegenübergestellt, assimiliert, entwickelt.
Es besteht ein ständiger Dialog zwischen der horizontalen und der vertikalen Dimension (zwischen Melodie und Harmonie, wie es früher einmal hieß) und somit auch zwischen Klang und Geräusch. Die Sequenza XIV entwickelt ein äußerst instabiles, diversifiziertes Ausdrucksklima, das sich meines Erachtens dennoch der Historie des Violoncello bewusst ist: eines Instruments, das so grundlegend und nachhaltig wie nur wenige andere die Musikgeschichte begleitet hat.
Die Sequenza XIV wurde 2002 für Rohan de Saram komponiert.
Luciano Berio
*Es war der srilankische Cellist, der den Komponisten mit der außerordentlichen Vielfalt der Rhythmusinstrumente, insbesondere mit der Trommel aus Kandy, der alten Hauptstadt Ceylons, vertraut gemacht hat
Luciano Berio galt bereits zu seinen Lebzeiten als ein Klassiker der Moderne. Sein Schaffen hat die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts entscheidend mitgeprägt. Zwei Werke werden u. a. als Synonyme für Berio sofort identifiziert: die Sequenzas und Sinfonia. Berios Stücke für Solo-Instinstrument, die Sequenzas, sind für Interpreten geschrieben, deren Virtuosität vor allem eine Virtuosität des Wissens ist. Die Sequenzas versuchen, den Horizont der instrumentalen Möglichkeiten vom Blickpunkt des Instrumentes selbst aus zu vergrößern. Die letzte Sequenza, die Berio hinterließ, Sequenza XIV, widmete er dem Cellisten Rohan de Saram, der Berio mit den traditionellen Instrumenten seiner Heimat Sri Lanka vertraut machte. Einflüsse vor allem perkursiver Natur flossen in diese Sequenza ein, die Rohan de Saram seit der Uraufführung 2003 bereits dutzende Male auf der ganzen Welt zur Aufführung Brachte.