

Johannes Maria Staud
Sydenham Music
Dauer: 7'
Instrumentierungsdetails:
Flöte
Harfe
Viola
Staud - Sydenham Music für Flöte, Viola und Harfe
Übersetzung, Abdrucke und mehr

Johannes Maria Staud
Staud: Sydenham Music für Flöte, Viola und HarfeInstrumentierung: für Flöte, Viola und Harfe
Ausgabeart: Stimmensatz (Sonderanfertigung)
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Johannes Maria Staud
Staud: Sydenham Music für Flöte, Violine und HarfeInstrumentierung: für Flöte, Violine und Harfe
Ausgabeart: Partitur (Sonderanfertigung)
Hörbeispiel
Werkeinführung
Als Camille Pissarro 1870/71 zum ersten Mal nach London kam, um dem Krieg zwischen Frankreich und Preußen zu entfliehen, wohnte er in der Gegend von Crystal Palace. Eines seiner schönsten Bilder aus dieser Zeit, The Avenue, Sydenham (1871) hängt heute in der Londoner National Gallery. Diese Arbeit zeigt eine leicht bevölkerte Szene an der Lawrie Park Avenue, die sich bis heute nicht wesentlich geändert hat, auch wenn die Pferdefuhrwerke durch Autos abgelöst wurden. Das Bild vermittelt die Atmosphäre eines Frühlingsmorgens mit sprießenden Eichenbäumen vor einem zartblauen, leicht bewölkten Himmel.
44 Jahre später, 1915, drei Jahre vor seinem Tod, schrieb Claude Debussy sein vorletztes Werk, die Sonate pour flute, alto et harpe. Dieses Stück in dieser eigenartig gedämpften und zerbrechlichen, dennoch lichten Instrumentation scheint für mich die Kondensierung des musikalischen Impressionismus zu sein, der Schwanengesang für eine ganze Epoche. Es ist eines von Debussys geheimnisvollsten und faszinierendsten Werken, über das er selbst sagte: "Das ist wirklich melancholisch. Ich weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll. Vielleicht beides gleichzeitig."
Was beide Werke für mich vereint ist die Doppeldeutigkeit zwischen Fragilität und Helligkeit, Präzision und verschwommenen Linien, zwischen Melancholie und Optimismus, pastoralem Interesse und rationalem Denken. Wenn man an Synästhesie glaubt (ich bin mir nicht sicher, ob ich es tue), würde Pissarros Gemälde wahrscheinlich wie Debussys Sonate klingen (und vice versa) …
Nachdem ich nun selbst schon zweieinhalb Jahre in Sydenham wohne und arbeite (und Pissarros Fußspuren mindestens zweimal pro Woche auf meinem Weg in den Crystal Palace Park folge), spürte ich, dass es nun an der Zeit wäre, dieser inspirierenden Gegend von London ein Stück zuzueignen. Dieses Mal machte ich etwas für mich Ungewöhnliches, wählte diese zarteste aller Besetzungen und versuchte ein durch und durch fragiles und leises Stück zu schreiben. Schlussendlich konnte ich meinem Vorhaben nicht ganz gerecht werden, da immer wieder eine aufwühlendere und die vermeintliche Idylle störende Klangwelt an die Oberfläche drängte und schlussendlich plötzlich auftauchte.
Johannes Maria Staud